2.1.3

Diskursethik — Eine sinnvolle Ethik für das Design?

Im vorherigen Kapitel wurde Design unter anderem als kommunikatives Handeln betrachtet. Eine Sonderform des kommunikativen Handelns ist es, wenn wir miteinander Normen klären wollen. Also dann, wenn wir klären wollen, was die richtige Handlung wäre, basierend auf unseren Werten. Die Diskursethik ist nichts anderes als die Beschreibung und Systematisierung eines derartigen Diskurses, in dem geklärt werden soll, was die jeweilige richtige Handlung wäre.

2.1.3.1 Der aktuelle Diskurs von Ethik im Kommunikationsdesign

Ethik und Design als Disziplin ist spätestens seit Papaneks Buch Design for the real world ein Thema.1 Die Einsicht, dass Designer*innen für ihre Handlungen Verantwortung tragen und diese auch vor einem theoretischen Hintergrund reflektieren sollen, ist demnach keine neue. Man muss sich jedoch auch eingestehen, dass diese Entwicklung im Kommunikationsdesign deutlich länger gedauert hat und immer noch andauert. Es folgt ein kurzer Überblick über die mir bekannte theoretische Entwicklung dieser Sparte. Da wäre im deutschsprachigen Raum zuerst das in der Fachwelt verrufene2 Buch FORM:ETHIK Ein Brevier für Gestalter zu nennen.3 Dieses wird vor allem dafür kritisiert, einen sehr oberflächlichen Zugang zum Thema Ethik und Design aufzuführen, in dem es den Konflikten und unterschiedlichen Ansprüchen der Interessensparteien keinen Raum gibt. „Stattdessen werden Werte beschworen, die nicht dissensfähig sind, und eine pantheistische Weltanschauung proklamiert.“4 Das ist auch eines der, meiner Meinung nach, größten Probleme der Ethik im Kommunikationsdesign generell, dass immer wieder betont wird, dass Designer*innen sich nur Vorteile davon versprechen könnten, ethische Haltungen konsequent zu vertreten. Beziehungsweise, dass es eben ausreicht zu wissen, was die richtige Handlung in der Situation wäre. Oft wissen Designer*innen was die richtige Handlung ist, können sie aber aus ökonomischen oder hierarchischen Gründen nicht ausführen.5 Aber darauf werde ich an späterer Stelle noch einmal zurückkommen.

An der Fakultät Gestaltung Würzburg, sind zwei Bücher erschienen, die sich dem Thema Ethik im Kommunikationsdesign von der philosophischen Seite nähern. Zuerst gab es den Tagungsband Ethik & Moral in Kommunikation und Gestaltung, der den Auftakt der wissenschaftlichen Arbeit in diesem Bereich darstellt.6 Dieser umfasst eine Reihe von Vorträgen von Gestalter*innen und Theoretiker*innen aus der gleichnamigen Tagung im Oktober 2012. Darauf aufbauend entwickelten Gerhard Schweppenhäuser und Christian Bauer das Buch Ethik im Kommunikationsdesign – Verständigung, Verantwortung und Orientierung als Kriterien visueller Gestaltung.7 Dieses Buch deckt einen großen Teil der Thematik ab und gibt Designer*innen einen guten Einblick in verschiedene Ethiken und Teilbereichsethiken, die in sinnvoller Art und Weise anschaulich für das Design brauchbar gemacht werden. Allerdings kann nicht von jede*r Designer*in erwartet werden ein 500 Seiten Buch zu lesen um einen Überblick von der Thematik zu bekommen. Es ist mit erheblichem Zeitaufwand verbunden, sich ernsthaft mit dem Buch auseinanderzusetzen, auch weil es an vielen Stellen erst Einstieg und Übersicht in die komplexere Hintergrundlektüre gibt.

In den letzten Jahren gab es auch einige Bücher von Kommunikationsdesigner*innen zu dem Thema gutes Design bzw. Werte im Design.8 Diese haben aber oft das Problem, dass sie philosophisch oberflächlich arbeiten und elementare Begriffe wie Design sehr ungenau definieren. Aber sie zeigen auf jeden Fall, dass es Interesse auf der Seite der Kommunikationsdesigner*innen gibt, sich mit dem Thema ethisches Kommunikationsdesign näher zu befassen. Auch ich habe mir das in meiner Masterarbeit zum Ziel gesetzt und mich für die Diskursethik als ethisches Modell entschieden.

2.1.3.2 Diskursethik

Die Diskursethik ist gewissermaßen Teil von Habermas Theorie des kommunikativen Handelns, einer Theorie bei der wir schon im letzten Kapitel festgestellt haben, dass sie sehr gut für das Design genutzt werden kann.9 Das kommunikative Handeln setzt sich mit der verständigungsorientierten Kommunikation zwischen Menschen auseinander – eine essentielle Tätigkeit für Designer*innen (sowohl für ihren Entwurfsprozess, wie auch für die Kommunikationsdesignprodukte). Ebenfalls thematisiert das kommunikative Handeln die Vorraussetzungen, für eine solche verständigungsorientierte Kommunikation. Gibt es nun in solch einer Kommunikation normative Konflikte, also Konflikte die hinterfragen, wie wir Werten am besten durch unsere Handlungen gerecht werden, also wie wir richtig Handeln, sind das Fragen der Diskursethik.

Wie in Kapitel 2.1.2.6 gezeigt wurde, treten im Designprozess immer wieder solche Konflikte auf, in der verschiedene Parteien mit unterschiedlichen Interessen unterschiedliche Meinungen davon haben, was die richtige Entwurfshandlung wäre. Die kann in genau solchen Situationen eingesetzt werden, um in einem solchen Diskurs festzustellen, was die richtige Handlung ist. Der Kern der Diskursethik besteht aus zwei Teilen. Dem Moralprinzip, genannt diskursethischer Grundsatz (D) und dem Universalisierungsgrundsatz (U). Diese lauten folgendermaßen:

D = „Gültig sind genau die Handlungsnormen, denen alle möglicherweise Betroffenen als Teilnehmer an rationalen Diskursen zustimmen könnten.“10

U = „Die Folgen und Nebenwirkungen, die sich aus einer allgemeinen Befolgung der strittigen Norm für die Befriedung der Interessen eines jedes Einzelnen voraussichtlich ergeben, müssen von allen zwanglos akzeptiert werden können.“11

Ein derartig gewichtiger und handlungsweisender Grundsatz muss gut begründet werden. Konrad Ott beschreibt folgenden Begründungsvorschlag für das Moralprinzip (D):

  1. Personen können auf verschiedene Weise handeln.
  2. Handlungsweisen und deontische Operatoren bedürfen einer Zuordnung.
  3. Wer eine Zuordnung vorschlägt, der erhebt einen Sollgeltungsanspruch.
  4. Fragen dieser Zuordnung sind Fragen der normativen Richtigkeit.
  5. Normen sind generalisierte regelförmige Verhaltenserwartungen.
  6. Zuordnungen von deontischen Operatoren zu Handlungsweisen sollen durch Argumente gerechtfertigt werden. (Unter modernen Bedingungen scheiden andere Vornahmen der Zuordnung als Formen der Rechtfertigung aus.
  7. Mit Argumenten will man überzeugen. (Man erheischt die Zustimmung aller, indem man argumentiert.
  8. Wer sich auf normative Argumentationen einläßt, akzeptiert implizit eine Reihe von Diskursregeln. Diese lassen sich explizieren. Die Unterstellung der allgemeine Beachtung der Regeln konstituiert eine ideale Gesprächssituation.
  9. Nur argumentativ gerechtfertigte Normen verdienen das Prädikat „gültig“.
  10. Wer in bezug auf die Zuordnungen von Handlungsweisen zu deontischen Operationen, d.h., wer über Normen als generalisierte Verhaltenserwartungen argumentiert, der erkennt implizit an, daß nur diejenigen Normen das Prädikat „gültig“ verdienen, die argumentativ gerechtfertigt werden, bzw. die Zustimmung aller von der Normgeltung Betroffenen als Teilnehmer an praktischen Diskursen finden könnten (D).12

2.1.3.3 Diskursethik im weiteren Ethikkosmos

Die Diskursethik eignet sich als deontologische Ethik deutlich besser zur Anwendung im Kommunikationsdesign als es zum Beispiel konsequentialistische Ethiken tun. Konsequentialistische Ethiken, wie der Utilitarismus sagen, die Handlung ist gut, die die besten Folgen hat. Der Utilitarismus arbeitet zum Beispiel nach dem Prinzip des größten Glücks.13 Gerade im Design ist es aber außerordentlich schwer abzuschätzen, welche Handlung zu mehr Glück führt. Die Produktionswege des Designprodukts sind oft sehr undurchsichtig, die Umweltbelastung ist schwer einzuschätzen und am Ende kann man sich nie ganz sicher sein, wie gut sich der Designgegenstand in der Praxis bewährt. Die Diskursethik stellt stattdessen Fragen nach dem richtigen und gerechten Handeln. „Moralische Urteile erklären, wie Handlungskonflikte auf der Basis von rational motivierten Einverständnissen beigelegt werden können.“14 Eine Handlung ist also gut, wenn man sie im Bezug auf eine gültige Norm rechtfertigen kann. Das hinterfragungswürdige Grundphänomen dabei ist, dass einem Gebot oder einer Handlungsnorm ein Geltungsanspruch (Sollgeltung) innewohnt. Sowohl die Diskursethik wie auch die kantianische Ethik nehmen also an, dass Menschen ein guter Wille innewohnt oder anders gesagt eine Bereitschaft in einen rationalen Diskurs einzutreten. Anstatt bei jeder Entscheidung nach unabsehbaren Konsequenzen zu fragen, ermöglicht die Diskursethik das Aufstellen von Normen, also Regeln nach denen Designer*innen in ihrem Alltag handeln können.

Als kognitivistische Ethik ist die Diskursethik in unserem Köpfen aufstellbar. Das heißt, wir können in unserem Alltag darüber diskutieren und bestimmen, was moralisch die richtige Handlung ist. Das Ergebnis des Diskurses können wir als wahr ansehen. Dadurch erhält es seinen normativen Geltungsanspruch.

Als formalistische Ethik ist die Diskursethik eine Verfahrensethik. Das heißt, dass in einem Verfahren Rechtfertigungsprinzipien aufgestellt werden, die auf einzelne Handlungsprobleme anwendbar sind. An dieser Stelle unterscheiden sich Diskursethik und kantianische Ethik. Kant stellt als oberstes Prinzip den kategorischen Imperativ auf: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die Du zugleich wollen kannst, daß sie ein allgemeines Gesetz werde!“ Habermas ersetzt für die Diskursethik den kategorischen Imperativ durch den auch schon am Anfang des Kapitels benannten diskursethischen Grundsatz (D) – das Verfahren der moralischen Argumentation:

„– daß nur diejenigen Normen Geltung beanspruchen dürfen, die die Zustimmung aller Betroffenen als Teilnehmer in eines praktischen Diskurses finden könnten.“15 Dies ist für Designer*innen besonders wichtig, weil sie nicht von oben herab entscheiden müssen, was für ihre Kund*innen und Rezipient*innen die beste Handlung ist. Vielmehr kann so ein partizipatives Verfahren angestrebt werden, in dem gemeinsam der beste Handlungsweg beschlossen werden kann. Damit baut die Diskursethik auf Konsens und nicht auf Überstimmung.

Als universalistische Ethik beansprucht die Diskursethik generelle Gültigkeit. Universalistisch ist eine Ethik, wenn sie beansprucht, dass sie nicht nur Ausdruck einer bestimmten Kultur ist und für diese gilt, sondern beansprucht allgemein gültig zu ein. Dabei muss gezeigt werden, dass das Moralprinzip nicht auf einem ethnozentrischen Fehlschluss beruht, „dass nur die Vorurteile des erwachsenen, weißen, männlichen bürgerlich erzogenen Mitteleuropäer von heute widerspiegelt.“16 Auch das ist natürlich für das Kommunikationsdesign besonders wichtig, weil dieses – je nach Projekt – Menschen aus den unterschiedlichsten Gesellschafts- und Kulturkreisen ansprechen will.

2.1.3.4 verschiedene Arten von Diskursen

Diskurse können je nach Thema unterschiedliche Formen annehmen. Habermas unterscheidet in den pragmatischen, ethischen und moralischen Gebrauch der Vernunft.17 Der jeweilige Gebrauch tritt auf, um unterschiedliche Arten von Problemen zu lösen.

Pragmatische Probleme, so Habermas, drängen sich auf und sind lästig, wenn diese nicht bewältigt werden. Das können zum Beispiel Fragen nach der Berufswahl oder dem Urlaubsort sein. Wir suchen nach Gründen für eine vernünftige Entscheidung. Diese bildet sich teilweise aus dem heraus, was man will. „Unser Wille ist faktisch durch Wünsche und Werte schon festgelegt; für weitere Bestimmungen offen ist er nur noch im Hinblick auf Alternativen der Mittelwahl bzw. der Zielsetzung.“18

Ethische Probleme wiederum gehen an den Kern unserer Selbstwahrnehmung und Identität. Sie berühren wer wir sind und wer wir sein möchten. Oder nach Aristoteles, stellen sie Fragen nach dem Weg zum richtigen und guten Leben. Ethische Probleme hinterfragen also immer unsere Werte.

Moralische Probleme wiederum suchen nach Lösungen, die für alle gelten können. Sie stellen also vor allem die Frage nach Normen die Generalisierung erfordern, die sich über eine Bandbreite unterschiedlicher Menschen mit unterschiedlichen sozialen und kulturellen Hintergründen, wie auch Werteorientierungen erstrecken. Die Diskursethik verhandelt vor allem moralische Probleme. Oder anders gesagt, Ziel der Diskursethik ist es im rationalen Diskurs Normen aufzustellen, die für alle gelten sollen. Je nachdem welchen Maßstab man ansetzt, erhält die Frage „Wie soll ich handeln?“ einen anderen Sinn. Während die pragmatische Frage eine Frage von Zweckmäßigkeit ist, dreht es sich bei moralischen und ethischen Fragen um unsere Werte. Einmal um unsere persönlichen und einmal um die Kollektivierung von Werten durch Normen.

Die im Design hauptsächlich auftretenden Arten von Diskursen sind pragmatischer und moralischer Art. Nur sehr selten ist es notwendig über ethische Probleme zu reden. Pragmatische Fragen sind im Design meistens Fragen der Funktionalität. Moralische Fragen sind dagegen oft eher Fragen, die die Wirkung eines Designgegenstandes rechtfertigen sollen.

Der Standpunkt der gewählt werden soll wenn über Fragen der Moral geurteilt wird, ist der sogenannte „moralische Gesichtspunkt“. Habermas geht vom Standpunkt von G. H. Mead aus, bei dem sich diejenige Person, die über eine moralisch problematische Handlung nachdenkt, gedanklich in die Köpfe der betroffenen Personen hineinversetzt. Elementar für die Diskursethik ist die Annahme, dass es aber nicht ausreicht Normen nur in unserem Kopf durch einen inneren Monolog zu überprüfen. Damit ein Design in einem moralischen Prozess entsteht19, muss dieser aus dem moralischen Gesichtspunkt heraus betrachtet werden.20 Für das Design bedeutet das, dass es eben nicht ausreicht, wenn Designer*innen nur darüber nachdenken, ob ihre Rezipient*innen und Kund*innen wohl mit den Auswirkungen ihres Designgegenstands einverstanden sind. Vielmehr müssen Designer*innen aktiv die Auseinandersetzung im Diskurs suchen.21 Für diese Diskurse schlägt Habermas einige Verfahrensregeln vor, die er die ideale Sprechsituation nennt.

2.1.3.5 Die Diskursregeln und die ideale Sprechsituation

Die Verfahrensregeln für den Universalisierungsgrundsatz, genannt Diskursregeln entwickelt Habermas auf Basis von denen von R. Alexy. Sie beschreiben also auf welche Art und Weise der Diskurs geführt werden muss, um als solcher zu gelten. Sowohl Habermas wie auch Alexy erkennen an, dass es sich dabei um eine Utopie handelt, die angestrebt werden soll, aber selten (nie?) im Diskurs tatsächlich erreicht wird. Allerdings ist die reine Anerkennung einer fiktiven idealen Sprechsituation die Voraussetzung unter der Diskursethik überhaupt stattfinden kann. Habermas unterstellt, dass wir eine Vorstellung der idealen Sprechsituation in unsern Köpfen haben. Ohne diese würden wir überhaupt nicht in einen Diskurs eintreten können.

1.1 Kein Sprecher darf sich widersprechen.

1.2. Jeder Sprecher, der ein Prädikat F auf einen Gegenstand a anwendet, muss bereit sein, F auf jeden anderen Gegenstand, der a in allen relevanten Hinsichten gleicht, anzuwenden.

1.3. Verschiedene Sprecher dürfen den gleichen Ausdruck nicht mit verschiedenen Bedeutungen benutzen.

Das sind die logisch semantischen Regeln, die notwendig sind um überhaupt in eine als „Wettbewerb ausgelegt kooperative Wahrheitssuche“ einzutreten.

2.1. Jeder Sprecher darf nur das behaupten, was er selbst glaubt.

2.2. Wer eine Aussage oder Norm, die nicht Gegenstand der Diskussion ist, angreift, muss hierfür einen Grund angeben. Es sind also Regeln die schon ethische Werte voraussetzen.

Diese Regeln setzen eine reziproke Anerkennung voraus. Das heißt die Anerkennung des Gegenübers.

3.1. Jedes sprach- und handlungsfähige Subjekt darf an Diskursen teilnehmen.

3.2. (a) Jeder darf jede Behauptung problematisieren.

(b) Jeder darf jede Behauptung in den Diskurs einführen.

(c) Jeder darf seine Einstellungen, Bedürfnisse und Wünsche äußern.

3.3. Kein Sprecher darf durch innerhalb oder außerhalb des Diskurses herrschenden Zwang daran gehindert werden, seine in 3.1 und 3.2 festgelegten Rechte wahrzunehmen.22

Dies sind die Regeln, die den herrschaftsfreien Diskurs gewährleisten sollen. Diese Regeln beschreiben die ideale Sprechsituation. Habermas stellt allerdings auch fest, dass gerade für die Regeln 3.1—3.3 eine Grundvorraussetzung für die Diskursethik der sogenannte herrschaftsfreie Diskurs ist.

Auf diese Regeln werden ich später noch einmal zurückkommen, wenn es um die Arbeitssituation von Designer*innen geht und deren Hierarchieformen (Kapitel 2.2.2 & Kapitel 2.3.2).

2.1.3.6 Die Umsetzung von Diskursethik in einer nicht generell diskursethisch handelnden Welt

Wolfgang Kuhlmann ergänzt das Universalisierungsprinzip mit vier Grundnormen. Damit versucht er vor allem die Frage zu beantworten, wie gehandelt werden soll in einer nicht generell diskursiv handelnden Welt. Dafür stellt er diese vier Grundnormen auf:

(N 1): Argumentiere rational.

(N 2): Bemühe dich um einen vernünftigen Konsens.

(N 3): Bemühe dich in allen Fällen, in denen deine Interessen mit denen anderer kollidieren können, um einen vernünftigen praktischen Konsens mit ihnen.

(N 4): Bemühe dich stets darum, zur (langfristigen) Realisierung solcher Verhältnisse beizutragen, die der idealen Kommunikationsgemeinschaft näher kommen, und trage stets Sorge dafür, daß die schon existierenden Bedingungen der möglichen Realisierung einer idealen Kommunikationsgemeinschaft bewahrt werden!

Auch hierauf werde ich in späteren Kapiteln noch mehrfach zurückkommen, da es Wege aufzeigt, um zwischen diskursiv handelnden Designer*innen und Rezipient*innen oder Kund*innen zu vermitteln, die sich nicht auf einen Diskurs einlassen wollen.

Ich habe in diesem Kapitel beleuchtet, dass Diskursethik in vielerlei Hinsicht eine vielversprechende Verfahrensethik für das Design, aber insbesondere das Kommunikationsdesign ist. Wie und wo sich die Diskursethik einsetzen lässt, in den Prozessen des Designs, also wie man diese Verfahrensethik in das Verfahren des Entwurfsprozesses integrieren kann, wird nun im Folgenden beschrieben.

  1. @papanek2011 ↩︎
  2. vgl. @bauer2017, S. 10 ↩︎
  3. @eickhoff2005 ↩︎
  4. @bauer2017, S. 10 ↩︎
  5. Ein gutes Beispiel hierfür ist: @uniteditions2020, S. 12 & S. 465 Dieses Buch widmet sich dem Vergleich von verschiedenen Designstudios. An zwei Stellen wird in diesem Buch erwähnt, dass Designer*innen und Designstudios mit einer starken ethischen Haltung (engl. strong ethical stance) selten Benachteiligungen dadurch erfahren würden. ↩︎
  6. @ethikmoralinkommunikation­undgestaltung2015 ↩︎
  7. @schweppenhauser2018 ↩︎
  8. Ich denke dabei zum Beispiel an das Buch „The Value of Design“ (@wagner2015) oder „Schön und gut“ (@koop2019) ↩︎
  9. Siehe Kapitel 2.1.2.2 ↩︎
  10. @habermas1992 S. 138 ↩︎
  11. @habermas1983, S. 103 ↩︎
  12. @ott2018, S.171f ↩︎
  13. @mill2010, Chapter II ↩︎
  14. @kuhlmann1995 S.17 ↩︎
  15. ebd. S. 18 ↩︎
  16. @kuhlmann1995 S. 18 ↩︎
  17. @habermas1991, S. 100—118 ↩︎
  18. @habermas1991 S. 102 ↩︎
  19. damit die Handlungen des*r Designer*in in einem moralischen Sinne gut sind ↩︎
  20. @kuhlmann1995, S.19 ↩︎
  21. Eine systematische Aufstellung davon, wie das funktionieren könnte, siehe Kapitel 2.1.4 ↩︎
  22. @habermas1983, S. 101—103 ↩︎

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